Abenteuer Kanadier – Paddeln wie Pocahontas

13. Juli 2017  //    Kommentieren

Schon als kleines Kind habe ich Disneyfilme über alles geliebt. Ein Film hatte es mir dabei besonders angetan: Pocahontas. Am aller aller tollsten fand ich immer die Stelle, wenn Pocahontas singend in ihren Kanadier gesprungen ist um die Flüsse unsicher zu machen. Klar, dachten sich meine Schwester und ich damals, das können wir auch und so haben wir die Szene immer und immer wieder in der Badewanne nachgestellt und dabei regelmäßig ganze Zimmer geflutet.

Mit Paddel und Kanadier startklar im Neckar

Mit Paddel und Kanadier startklar im Neckar

Und auch wenn ich mittlerweile ein paar Jahre älter bin, habe ich meine Leidenschaft zu Pocahontas und die Faszination für ihren Kanadier immer noch nicht abgelegt. Nachdem ich auf dem Weg zur Arbeit immer wieder sehnsüchtig an den Kanufahrern im Neckar entlanggefahren bin, habe ich mich endlich zu einem Anfängerkurs angemeldet. Mit Wasserschuhen, Sonnencreme und Kappe ausgerüstet, durfte ich nach der theoretischen Einführung dann auch das erste Mal Kanadier fahren.

Kanu, Kanadier oder Kajak?

Wie unterscheidet sich der Kanadier denn jetzt von den anderen, sportlichen Verwandten? Der Kanadier ist eine klassische Bootssportart, die damals – ganz im „Pocahontas-Stil“ – tatsächlich schon von den Indianern zum Jagen und Transportieren eingesetzt wurde. Kanu ist hingegen ein Oberbegriff für alle Boote, deren Ruder nicht direkt am Boot befestigt sind, sondern durch lose Paddel in den Händen angetrieben werden. Sowohl der Kanadier als auch der Kajak bilden also eine Unterklasse des Kanus.

Stechpaddel oder Doppelpaddel?

Der Kanadier ist nach oben komplett „offen“ und der Fahrer trägt im Gegensatz zum Kajak keine Spritzdecke zum Abdichten. Der größte Unterschied zwischen den beiden Bootstypen sind die Paddel: beim Kanadier kommt ein Stechpaddel zum Einsatz, an dessen Ende nur ein Paddel befestigt ist.

Die Stechpaddel beim Kanadier

Die Stechpaddel beim Kanadier

Beim Kajak spricht man hingegen von einem Doppelpaddel, da an beiden Enden Paddel zum Lenken sind. Außerdem ist der Kanadier größer, sodass mehrere Personen Platz nehmen können, die dann jeweils auf einer Seite paddeln. So kann nicht nur das Gleichgewicht, sondern gleichzeitig die Teamfähigkeit trainiert werden. Außerdem bietet der Kanadier viel Platz. So kann man bei Wandertouren auch gut Gepäck an Bord nehmen. Der Nachteil des Kanadiers ist allerdings, dass er windanfällig ist, da man oberhalb der Wasserlinie sitzt. Für wildere Gewässer sollte man also auf ein Kajak umsteigen. Für Paddelanfänger, so wie mich, die erste Erfahrungen auf ruhigen Flüssen und kleinen Seen sammeln möchten, ist der Kanadier hingegen perfekt geeignet.

Sitztechnik und Paddelschläge

Während der Kajakfahrer gleichzeitig steuert und beschleunigt, wird diese Arbeit im Kanadier aufgeteilt. Auf der hinteren Position sitzt daher der Steuermann, der „Kapitän“, der die Richtung bestimmt. Der Vordermann ist für das Tempo verantwortlich. Beide Paddler sollten allerdings die wichtigsten Grundtechniken beherrschen.

Kanufahrt im Karl-Heine-Kanal in Leipzig

Kanufahrt im Karl-Heine-Kanal in Leipzig

Bei der Fahrt im Kanadier sitzt man kniend auf einem Sitzbrett mit Blick in Fahrtrichtung. Dadurch wird der Schwerpunkt des Bootes weiter nach unten gerichtet, wodurch dieses stabiler wird. Außerdem hat man mehr Kraft, um die Steuerschläge präziser durchzuführen. Dafür wird der Knauf des Paddels von oben umfasst, während die andere Hand oberhalb des Paddelblattes ist. Beim Grundschlag wird das Paddel parallel zum Canadier nach hinten durch das Wasser gezogen, sodass man möglichst gerade durch das Wasser gleitet. Zum Steuern setzt man den J-Schlag ein. Dieser entspricht dem Grundschlag, wird jedoch kurz vor dem Ende um eine kleine Kurve nach außen, vom Boot weg, abgewandelt. Wenn man den Oberkörper übrigens immer mit dem jeweiligen Schlag leicht mit bewegt, spart man nicht nur Kraft, sondern paddelt auch präziser. 😉

Kanuvereine in Deutschland

Neugierig geworden? Dann „springt“ doch selbst mal ins Boot. Beim deutschen Kanuverbund sind momentan 1300 Vereine in ganz Deutschland gelistet. Hier gibt es auch einen Vereinsfinder, mit dem ihr euch die Vereine in eurer Nähe genau anzeigen lassen könnt. Viele Vereine bieten ein kostenloses Schnuppertraining oder günstige Kurse für Einsteiger an. Für meinen Anfängerkurs beim SV 1845 Esslingen habe ich für drei Trainingsstunden nicht einmal 100 Euro bezahlt. In diesem Preis war nicht nur der Kurs, sondern auch das komplette Equipment wie Schwimm,- und Auftriebswesten, Paddel und Kanadier inklusive.

Blick vom Kanu aufs Stelzenhaus in Leipzig

Blick vom Kanu aufs Stelzenhaus in Leipzig

Und nach dem Kurs war ich sogar so fit, dass ich in mein eigenes „Paddel-Abenteurer“ mit dem Kanadier in den Leipziger Kanälen starten konnte. Ich muss sagen, dass ich diese Tour aufgrund des relativ ruhigen Wassers gerade für Anfänger sehr empfehlen kann. Und neben einer wasserreichen Landschaft gibt es hier auch einen großen Decathlon im Paunsdorf Center, in dem man gleich seine Grundausstattung findet. 😉

Die richtige Wahl der Ausrüstung

Must-have für jeden Anfänger: Auftriebsweste, Paddel und Leihboot

Must-have für jeden Anfänger: Auftriebsweste, Paddel und Leihboot

Egal ob Kajak oder Kanadier – in den Stores und unserem Onlineshop gibt es eine große Wassersportabteilung mit jeder Menge Equipment. Zur Grundausrüstung sollte jeder im Boot eine passende Auftriebsweste tragen, denn gerade am Anfang kann man die Wasserlage doch sehr schlecht einschätzen, sodass das Boot schneller kentert, als erwartet. Daher sollte man auch an eine wasserdichte Aufbewahrung, wie z.B. Aquabags oder Smartphone-Taschen denken. Bei gutem Wetter braucht man als Anfänger eigentlich keinen Neoprenanzug.

Wichtiger ist eine bequeme Bekleidung, Kopfschutz und eine wasserfeste Sonnencreme. Mein Tipp ist die Aptonia-Creme mit Lichtschutzfaktor 50, da die Sonne im Wasser natürlich stark reflektiert. Und alle, die den Anfängerstatus nach einigen Trainingsstunden verlassen, können später immer noch über die Anschaffung eines eigenen Paddels oder Kanus nachdenken. Für gelegentliche Paddler gibt es neben Hartschalenkajaks auch aufblasbare Kajaks, die man ohne große Probleme transportieren kann und sich so Stück für Stück an den neuen Sport heran wagen kann.

Mein Fazit: ausprobieren lohnt sich!

Hier findet ihr alles, was ihr für euer Kajakerlebnis braucht. 🙂


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