Entlang des Rheins – Meine Tour auf dem Eurovelo 15

10. August 2018  //    Kommentieren

Angefangen hat eigentlich alles bei einer kleinen Kaffeerunde in Schottland. Als ich mit meinen Freundinnen wild über alle möglichen Trips rumgesponnen habe, kam uns eine Idee. Wir könnten doch einfach mal den ganzen Rhein mit dem Rad abfahren. “Mit dem Rad von der Quelle des Rheins bis zur Mündung im Meer? Warum nicht! Hört sich nach einem spannenden Abenteuer an!”, dachte ich mir sofort. Und so habe ich den Gedanken über Jahre immer weiter gesponnen, bis es dieses Jahr endlich soweit war. Meine “Tour de Rhein” konnte losgehen.

Los geht’s in den Schweizer Alpen

Meinen ersten blauen Pfeil mit den Europasternchen und der Nummer 15, entdeckte ich direkt im Kern des kleinen Örtchens Andermatt, in der Schweiz. Ich bin mit meinem Rennrad und meinem 10-Literrucksack mit dem Zug angereist. Nach einer erholsamen Nacht, startete ich meine Tour mit den ersten Höhenmetern durch die Alpen. Im Gepäck hatte ich jede Menge Müsliriegel, zwei Wasserflaschen, eine kurze und eine lange Radhose, eine Regenhose, eine Regenjacke, einen Ersatzreifen, ein Safetykit und jede Menge Adrenalin – alles in meinem grünen Arpenaz 10-Liter-Rucksack! Für den ersten Tag der Tour hatte ich mir nicht nur den Alp-Pass, sondern 138 Kilometer vorgenommen. Anfang Juni waren trotz des überragenden Wetters und der guten Straßen in der Schweiz, kaum Radfahrer unterwegs. Und so lief meine erste Etappe entlang eines kleinen Flüssleins im Hochgebirge.

Mein Tageshighlight war definitiv die Rheinschlucht, welche die Schweizer als ihren “Grand Canyon“ bezeichnen. Hundemüde kam ich abends in Lichtenstein an.

  • Der Great Canyon der Schweiz – die Rheinschlucht in den Alpen

Von Lichtenstein über den Bodensee nach Schaffhausen

Am nächsten Tag warteten sogar noch mehr Kilometer auf mich. Das Wetter war top und ich hatte keinerlei Beschwerden. Also: Rein in die Pedale und auf über die Rheininsel „Diepoldsau“ zum Naturparadies “Rheindelta”. Hier strömt der Rhein in den Bodensee und man wurde von zahlreichen nistenden Vögeln begleitet. Ich fuhr über die Schweizer Seite des Bodensees, über Konstanz, nach Schaffhausen. Abends schaffte ich kaum mehr die Treppen zu meinem Hostel hinauf, denn langsam meldeten sich meine Knie.

  • am Rheindelta angekommen. Hier mündet der Rhein in den Bodensee

“Einbeinig” über den Rheinfall nach Basel

Eigentlich startete die dritte Etappe ziemlich spektakulär, am Rheinfall, 5 Kilometer von Schaffhausen entfernt. Immerhin handelt es sich hier um Europas größten Wasserfall. Die schlechte Nachricht war leider, dass sich mein rechtes Knie noch nicht ganz erholt hatte. Um dieses bestmöglich zu schonen, klickte ich mich den ganzen Tag nur mit meinem linken Fuß ins Pedal ein und nutzte das rechte Bein nur für das Gleichgewicht – kein Wunder, dass ich das erste Mal auf der Tour von einigen Radfahrern gefragt wurde, ob es mir gut gehe. Mit der “neuen” Technik konnte ich mein bisheriges Tempo von knapp 25 km/h nicht mehr halten – ich machte drei Kreuze als ich endlich in Basel angekommen war und merkte, dass es meinem Knie besser ging. Umso ärgerlicher war es, als ich am nächsten Morgen wieder total motiviert und pünktlich um 6 Uhr morgens starten wollte, um dann festzustellen, dass das Schloss meines geliebten Rennrads nachts im Carport des Hostels geknackt und mein Wegbegleiter gestohlen wurde. Ich hatte echt mit vielem gerechnet – definitiv aber nicht damit! Wie konnte es anders sein, war das auch noch an einem Sonntag und alle Geschäfte hatten geschlossen. Verdammt! „Wo bekomme ich denn jetzt ein neues Rad für die restlichen 1000 Kilometer her?“

  • Am Rand des Schwarzwaldes beim Hochrhein

Tour mit dem “neuen-alten” Vintage Rad nach Frankreich

Die Lösung kam von meiner kleinen Schwester, bei der ich mich auf der Zugfahrt zurück nach Hause ausheulte. In meinem Kopf platzte mein Traum und ich verstand die Welt nicht mehr. Aber zum Glück bewahrten andere Menschen, wie Leo, einen kühlen Kopf. “Schau doch mal bei Ebay-Kleinanzeigen!”. Ich hatte wirklich Glück und fand ein weißes, altes Rennrad, mit Schaltung, im ziemlichen Vintage-Look. Zusammen fuhren wir dem Rhein entgegen, der Strömung nach Frankreich zurück und erreichen das eigentliche Ziel Straßburg. Ab jetzt lief es wie am Schnürchen. Ich hatte wieder ein Rad, meinem Knie ging es gut und das Wetter hielt. Ich konnte jeden Tag 130 Kilometer durch Deutschland fahren. Erst ging es nach Karlsruhe, dann über Ludwigshafen nach Mainz. Dann begann eine der schönsten Etappen der Tour durch das UNESCO-Weltkulurerbe Oberes Mittelrheintal, entlang zahlreicher Schlösser und Burgen. Ab Koblenz und dem “deutschen Eck”, waren mein Vintage-Rad und ich auch nicht mehr alleine. Meine Freundin Lisa und ihr Mountainbike stiegen in unser Team ein. Die letzten 400 Kilometer lagen vor uns!

Im Gewitter in Düsseldorf – kleine Abkühlung gefällig?

Durch das Siebengebirge und die ehemalige Hauptstadt Bonn, ging es zu unserer Übernachtungsmöglichkeit nach Köln. Leider wurden die Wolken am Himmel immer dunkler, als wir uns am nächsten Tag auf unsere Räder schwangen. Wir wurden schon vor unserer ersten Pause von einem Gewitter erwischt. Wir packten schnell unsere Regenjacke aus, kühlten aber immer weiter ab. Damit wir unser Tagesziel überhaupt noch erreichen konnten, gingen wir in Düsseldorf komplett durchnässt auf Shoppingtour im DECATHLON-Store. Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze zu den Niederlanden und erreichten damit das vierte Land, welches vom Rhein durchquert wird.

Ab an die Nordsee – das Ziel ist zum Greifen nah!

Windmühlen und kilometerlange Radwege auf dem Deich begleiteten uns im Nachbarland. Die ganze Landschaft ist geprägt von Flüsschen, Kanälen und anderen Wasserwegen. Der Rhein teilt sich hier in mehrere Abzweigungen und wir folgten dem breitesten Mündungsarm, dem Waal. Ein absolutes Highlight auf dieser Strecke war definitiv das Gelderland, in welchem wir unsere letzte Übernachtung einlegten. Am nächsten Tag begann dann die finale Etappe und der Weg durch die holländischen Großstädte Dordrecht, Rotterdam und Den Haag, bis ans Ende des Rheins, nach Hoek von Holland. Die eher städtisch geprägte Strecke war nach der Weite und Freiheit der letzten Tage ein wenig beengend. Umso schöner war es, als man die letzten Häuser der Städte hinter sich gelassen hatte und direkt am Meer und den menschenleeren Dünen landete. Wahnsinn! Wir hatten es wirklich geschafft! 1233 Kilometer, durch vier Länder, in 10 Tagen – ein absolut einmaliges Abenteuer, welches sich definitiv gelohnt hat und mich auch jetzt beim Schreiben dieses Berichtes wieder komplett umhaut.


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