Und ab auf das Dach Nordafrikas

2. Juni 2017  //    Kommentieren

Ja, ich gebe es gerne immer wieder zu: Ich liebe Berge über alles! Nirgendwo sonst findet man so viel Natur, Stille und vor allem überragende Aussichten an einem Ort kombiniert. Und nachdem ich in den letzten Jahren schon von verschiedenen Bergen herunter geschaut habe, wie z.B. dem Ben Nevis in Schottland oder der Zugspitze, musste ich in meinem Marokko Urlaub natürlich auf den Jbel Toubkal!

Wer oder was ist der Jbel Toubkal?

Mitten im Toubkal National Park

Der Jbel Toubkal, ist mit 4167 Metern nicht nur der höchste Berg Marokkos, sondern gleichzeitig auch der höchste des Atlasgebirges und der höchste von Nordafrika. Mit einer Besteigung erreicht man also gleich mal drei Ziele auf einmal – ganz praktisch, oder? Der Toubkal gilt als einer der einfachsten Viertausender und ist auch in der wärmeren Jahreszeit für Anfänger geeignet. Insgesamt ist der Wanderweg 22 km lang und
kann variabel in drei, zwei oder einem Tag gemeistert werden. Um mich ein wenig an die Bergluft zu gewöhnen und den Gipfel in aller Frühe genießen zu können, plante ich meine Tour für zwei Tage. Die beste Jahreszeit ist April bis Ende Oktober, da im Winter zu viel Schnee liegt. Ich selbst  wagte mein Glück Ende März, was super war, da zwar noch reichlich Schnee, dafür aber gutes Wetter und kaum Touristen auf der Spitze waren.

Los gehts’ in Imlil (1740 Meter ü.NN.)

Zwischen Tälern und Dörfern

Die meisten Bergsteiger starten in dem kleinen Dorf Imlil. Hier gibt es ein kleines Touristenbüro, in dem man sich einen Guide für die Besteigung oder auch letztes Equipment mieten kann. Für alle, die ihren Proviant schon auf der Fahrt aufgefuttert haben, kann man sich hier auch noch einmal im Supermarkt oder an den Ständchen der Einheimischen Nachschub besorgen, bevor es dann auch richtig los geht. In Imlil gibt es zwar mehrere Unterkünfte, viel zu sehen, gibt es sonst allerdings nicht wirklich. Ich persönlich startete daher auch direkt nach meiner morgendlichen Ankunft nachdem ich den Beginn des Weges herausfand. Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man den ersten rosanen Punk gefunden hat,
dann gehts einfach weiter von Punkt zu Punkt. Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Punkte sehr abwechslungsreich verteilt. Mal kommt alle paar Meter ein Punkt, mal kilometerlang keiner. Einfacher ist es daher den Maultierspuren zu folgen, welche für einige Touristen Gepäck transportieren. Also immer der Nase nach und geradeaus weiter. Am Bach, über das Flussbett und dem kleinen Dorf Around bis zu dem nächsten Dorf Sidi Chamharouch (2310m) entlang. Dieser Teil der Strecke ist ein bekannter Pilgerweg, weil viele zu dem Marabout, einem heiligen Grab, wandern. Ab dort wird es zunehmend steiniger und spätestens nach einer weiteren Stunde beginnen schon die ersten Schneefelder, die es zu überqueren gilt. Ab und zu kommt man außerdem immer mal wieder an kleinen Bachläufen und Händlerständen vorbei, bei denen man seine Vorräte auffrischen kann.

Matrazenlager auf der Refuge (3207 Meter ü.NN.)

Übernachtung auf 3000 Meter Höhe

Ein paar Höhenmeter und fünf Stunden später erreichte ich auf jeden Fall schon einmal mein Tagesziel: Die Refuge auf 3207 Meter Höhe. Auf der Ebene gibt es sogar zwei Übernachtungsmöglichkeiten. Die erste ist etwas touristischer für die Bergsteiger, welche die Tour organisiert buchen. Die zweite wird vom französischen Alpenverein geführt. Da ich mich über die Insidertips der anderen Sportler gefreut und mich
gleichzeitig noch mit ein wenig Ausrüstung ausgerüstet habe, kann ich die Hütte des Alpenvereins auf jeden Fall empfehlen. Alternativ kann man hier auch zelten, dabei sollte man die Temperaturen aber auf keinen Fall unterschätzen. Mit Stirnlampe, Wanderschuhen, Schneepickel und Spikes ausgestattet starteten am nächsten Morgen die meisten Wanderer bereits um 5 Uhr um die letzten Meter zum Gipfel auf sich zu nehmen.

Die letzten Höhenmeter rufen: Here we go!

Ausgestattet mit Spikes und Eispickel

Nach oben führen mehrere Wege. Entweder wählt man den direkten Weg, der in ca. drei Stunden bewältigt werden kann oder den nicht ganz so steilen fünf Stunden langen Weg. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man seinen Hüttenbesitzer über die Wahl des Weges informiert und sich am besten auch mit anderen Bergsteigern zusammen schließt. Auch ich startete mit zwei anderen Bergfreunden in der Morgenstunde und war gerade in der Dunkelheit froh nicht alleine zu sein. Sobald es dann heller wird, ist der Weg dann aber wieder sehr gut erkennbar. Bei der hohen Schneemenge und dem steilen Anstieg sind Spikes und Schneepickel, zumindest in den kühleren Jahreszeiten, ein absolutes Muss. Bis ganz nach oben haben wir circa drei Stunden gebraucht. Der Weg selbst war trotz Schnee gut zu bewältigen und lediglich auf dem Summit wurde es ziemlich kalt, dafür ist die Aussicht über das Gebirge aber gigantisch. Nach getaner Arbeit geht es dann ratz fatz nach unten. Sodass man den gesamten Rückweg problemlos in fünf Stunden meistern kann.

Nice to know

Um die Höhenkrankheit zu minimieren, sollte man sich gerade bei den steileren Wegen immer mal wieder Verschnaufpausen können. Ein guter Tipp ist es auch langsam zu starten und dafür kontinuierlich durchhalten zu können. Durch die Sauerstoffsättigung sollte man auf dem Summit nur wenige Minuten verweilen (so kühl wie es bei uns oben war, hätte ich das aber sowieso nicht länger geschafft…). Gefährlicher war für mich eher die Sonne. Denn auf dem gesamten Weg befindet sich fast kein Schatten, sodass ich mir als Erinnerung einen dicken Sonnenbrand mitgebracht habe. Bitte denkt daher daran euch regelmäßig einzucremen und denkt besonders an eure Lippen (die habe ich nämlich vergessen und wurde bitter bestraft). Bei der Kälte auf der Spitze hält natürlich auch keine Batterie lange aus – hebt euch die Energie für die Gipfelfotos also auf, sonst ärgert ihr euch ohne Ende. Weitere Hüttentipps findet ihr außerdem kompakt zusammengefasst vom französischen Alpenverein, in der Galerie direkt hier unten.

Mein persönliches Fazit

Bergfelder im Atlasgebirge

Das war definitiv nicht mein letzter Berg und ihr könnt Euch mit Sicherheit noch auf einige Bergstorys von mir freuen. Gerade Marokko und der Toubkal bieten eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Natur. Die Menschen sind super freundlich und hilfsbereit und vor allem Backpacker kommen voll auf ihre Kosten. Also ran an den Berg und los gehts ins Abenteuer in den Höhen!

Seid ihr auf Bergfans und habt schon spannende Wanderungen hinter euch? Wir freuen uns auf eure Geheimtipps in den Kommentaren

 

 

  • Von einem Dorf ins nächste

  • Überquerung des Flussbeets

  • Übernachtung beim französischen Alpenverein

  • Kurze Verschaufpause im Schneefeld und dann gehts weiter auf die Spitze

  • Grasflächen im Flussbeet

  • Geschafft! So sieht die Spitze Nordafrikas aus

  • Frisches Wasser gefällig?

  • Erste Trinkpause nach dem Start

  • Die ersten Meter in Imlil

  • Ab durchs Tal und der Nase nach in die Berge


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